Nun wurde schon seit bald vier Jahren kein neuer Beitrag mehr
an dieser Stelle gepostet. Das liegt aber nicht daran, dass es
keine Krise oder kein Interesse daran mehr geben würde,
sondern vielmehr daran, dass es einfach nichts neues zu
berichten gibt. Alles, was im Beitrag aus dem Februar 2022
beschrieben wird, gilt unverändert auch heute noch. Die Dinge
haben sich lediglich intensiviert, sind aber in ihrer Essenz
oder Qualität immer noch die gleichen.
Die Situation der Menschheit kann man aktuell mit folgendem
Bild beschreiben:
In einem Boot sitzt eine Horde Affen. Mit viel Aufwand und
Geschrei streiten sie sich um den besten Platz im Boot, um
die größte Banane, die meiste Anerkennung usw.. Leider hat
das Boot ein Loch und läuft langsam aber sicher voll.
Dem gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen. Wenn hier aber
nun doch noch ein Eintrag erfolgt, so deshalb, weil sich so
langsam eine Art "Schuldiger", ein Hauptgrund für diesen
Zustand herauskristallisiert.
Ja, es stimmt nach wie vor: Die planetare Krise ist eine
Krise der menschlichen Intelligenz. Diese Feststellung
alleine ist allerdings ein Allgemeinposten und hilft nicht
wirklich weiter. Das Wort "Intelligenz" wird nämlich (gerade
in Zeiten aufkommender "künstlicher Intelligenz") viel zu oft
verwendet und viel zu wenig hinterfragt, um noch
aussagekräftig sein zu können. Deshalb die Frage:
Worin genau besteht denn nun die Krise der menschlichen
Intelligenz?
Wie bereits im letzten Eintrag geschildert, ist dieser Planet
derzeit den Launen einiger alter Männer ausgeliefert, die ihre
Ziele bereits mehr oder weniger offen kommuniziert haben:
- Der eine dieser Männer möchte sein Land "great again"
machen.
- Der andere führt Kriege, die er damit rechtfertigt, dass
sein Land sich nur das wieder holt, was ihm angeblich schon
einmal gehörte.
- Der nächste möchte sein Reich wieder dahin rücken, wo es
sich selbst in der Vergangenheit verortete: in den Mittelpunkt
der Welt.
Die Gemeinsamkeit ist hier offensichtlich: Diese Leute
orientieren sich an den Verhältnissen zurückliegender
Jahrhunderte, ja, sie möchten am liebsten die Vergangenheit
wiederauferstehen lassen. Und nun führen sie einen Kampf gegen
die Gegenwart.
Wenn also etwa der amerikanische Präsident allen Ernstes
behauptet, die menschengemachte Klimaveränderung sei ein
"Betrug", so ist seine Motivation schlichtweg die Tatsache,
dass er eine Zeit wiederbeleben möchte, in der Öl die
Hauptenergiequelle war und die USA den großen Ölhahn
kontrollierten.
Geradezu mitleiderregend sind in diesen Tagen z.B. Trumps
Versuche, diese alte Öl-Machtpolitik wiederzubeleben, indem in
Ländern mit großen Ölreserven wie Venezuela und Nigeria unter
fadenscheinigen Vorwänden militärische Präsenz gezeigt
wird. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die
Verbrennung von Erdöl (und -Gas) in einigen Jahrzehnten keine
Rolle mehr spielen wird. Verknöcherung ist hier: mangelnde
Einsicht in die Realität der Gegenwart. Trump wirkt wie ein
trotteliger Opa, der seinem 20-jährigen Enkel beibringen
möchte, wie man einen Computer mit dem Betriebssystem DOS
betreibt.
Woanders sieht es nicht besser aus:
Wenn etwa Präsidenten in Russland oder China davon träumen,
als Neu- oder Wiederbegründer einer wie immer gearteten
Weltmacht in die Geschichtsbücher einzugehen, so ist auch dies
ein Beispiel von Verknöcherung: es geht nur um Vergangenheit.
Selbst für die Zukunft bleibt der Blick rückwärtsgerichtet:
Man möchte "historische Taten" vollbringen, um in einer so
gestalteten glorreichen Zukunft als "großer Mann der
Vergangenheit" bejubelt zu werden. Wahrscheinlich träumen sie
von einem riesigen Denkmal. Verknöcherter geht es gar nicht!
Zumal es dann womöglich nur noch einen riesigen Aschehaufen
gibt, über den man herrschen könnte.
Und genau das ist das Problem: Rückwärtsgewandtheit bedeutet Realitätsverlust.
Weiteres Beispiel:
Die Machthaber im Iran und der israelische Präsident Netanjahu
sind im Prinzip Brüder im Geiste: Beide klammern sich an die
Macht, indem sie auf die Unterstützung durch religiöse Kreise
bauen. Diese ihrerseits pochen auf die Einhaltung
jahrtausendealter Überlieferungen, deren Gegenwartsbezogenheit
mehr als fraglich ist. Dafür nehmen sie Kriege und
Kriegsverbrechen in Kauf. Religiöse Verknöcherung.
All diese Männer sollten sich darüber im Klaren sein, dass
sie womöglich tatsächlich in Geschichtsbüchern landen, und
zwar als Jene, die verhindert haben, dass etwas gegen die
wirklichen Probleme unternommen wurde als es noch möglich
gewesen wäre.
Es sind aber nicht nur diese einzelnen alten Männer, deren
Vergangenheitsfetisch zum Problem wird. Schließlich wurden
diese Leute zumindest zu Beginn ihrer Regierungszeiten von
ihren jeweiligen Völkern auf den Schild gehoben. Insofern sind
sie auch ein Symptom der Verknöcherung ganzer Völker.
Auch hier kann man exemplarisch auf die USA schauen:
Immer stärker führen dort sich selbst als "christlich"
bezeichnende Gruppierungen einen Kulturkampf gegen alles was
wissenschaftlich und faktenbasiert daherkommt. Sie versuchen,
praktische Realitätsbezogenheit durch veraltete Gebote und
Traditionen zu ersetzen. Da ist etwa das biblische Gebot, sich
zu vermehren wie die Kaninchen ("Seid fruchtbar und mehret
euch und reget euch auf Erden, daß euer viel drauf werden.").
Als ob das aktuelle Problem des Planeten zu wenige Menschen
wären! Vielmehr wäre es sicherlich eher im Sinne der
Schöpfung, wenn die Menschheit sich etwas mehr darum bemühen
würde, sich als Teil des Ganzen zu verstehen.
Dies ist, wie gesagt, nur ein Beispiel dafür, dass die
Verbreitung verknöcherter Sicht- und Lebensweisen die
eigentliche Krise darstellen. Es gäbe noch viel mehr.
Und das ist dann auch die eigentliche Krise der menschlichen
Intelligenz: Das Phänomen der Verknöcherung betrifft
nicht nur einzelne Führungspersonen sondern ganze
Völkerschaften. Dies behindert die angemessene Reaktion auf
die Herausforderungen der Gegenwart. Gefragt sind
Eigenschaften wie Wahrheitsliebe, Einsicht,
Realitätssinn. Notwendig ist dabei die Erkenntnis, dass
die gesamte Menschheit in einem Boot sitzt.
Berlin, 31.12.2025
Anmerkung:
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